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Drei Briefe 

Geschichtsfaden aufnehmen 
Von Udo Muszynski

Anfang des Jahres besuchte mich ein Freund aus Jugendtagen und brachte mir drei Briefe mit, die ich ihm vor ca. 40 Jahren während seiner Armeezeit geschrieben und in die Kaserne geschickt hatte. Datiert sind sie mit Berlin, 24.6.1982 – Quappendorf, 20.12.1982 – Vitte auf Hiddensee, 17.2.1983. Auch Briefe vergangener Tage begegnen einem nicht zufällig. Und schon wieder geht die Erinnerungsreise los und die Zeilen katapultieren mich in eine andere Zeit: 

Saxophon – schwebende Töne
Baß – alles durchdringend
Schlagzeug – mein Rhythmus
Klavier – zum Wegtreten

Das ist der Rahmen einer Platte (*1), die aufliegt in der Zionskirchstraße 8 – Seitenflügel rechts, die Kinder aus ihrem Mittagsschlaf weckt, die Leute aus ihrem Fenster gucken läßt ‘um zuzuhören‘, die Opas zu Jazz Fans werden läßt, die Muschinski Briefe schreiben läßt… 

Die achtziger Jahre, von mir immer wieder als von Verfall gekennzeichnete Endzeit beschrieben, erfahre ich über meine eigenen alten Zeilen aber auch noch einmal als eine Zeit des Aufbruchs. Was wird in den drei Briefen nicht alles wieder sichtbar: Die Anstrengungen des Abiturs auf der Abendschule, die ungeachtet dessen zahlreichen nächtlichen Kneipentouren mit den Freunden, die stundenlangen intellektuellen Kämpfe im „Elephanten“ (*2), der Budapest Ausflug im Sommer, die winterlichen Erkundungsreisen nach Moskau und auf die Insel Hiddensee. Vor allem aber berichte ich meinem Freund, dass ich zuversichtlich wie nie zuvor und voller Pläne bin. Ich habe Berlin verlassen, der Beschäftigung im „roten“ Außenhandel Adieu gesagt, arbeite nun auf dem Bau, werde Handwerker werden und versuche mich an einer ersten eigenen kleinen Zeitung. (*3)

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß ich mir über den eigentlichen traurigen DDR-Normalzustand im Klaren bin, der im Außenhandel, in den Studieneinrichtungen und, wie Du sicher mit am meisten bemerkst, bei der Armee seinen Unfug treibt. Und sicherlich wird es eins meiner (unserer) Hauptprobleme sein, sich mit diesem Zustand auseinanderzusetzen, Mittel und Wege zu finden, Einfluß zu nehmen, auf den uns zugänglichen Kreis. Hört sich vielleicht alles ein bißchen hoch angebunden an, und macht mir auch nicht selten Kopfzerbrechen, aber ich glaube das Wichtigste ist anzufangen mit dem „Andersmachen“. 

In den letzten zwei Jahren legt sich galoppierend eine kulturelle Amnesie über das Land, deckt eine Geschichte nach der anderen zu. Manch einer spricht gar schon von einer sterilen Existenz, weil er sich von seiner eigenen Geschichte getrennt sieht und mit der „neuen Normalität“ nichts am Hut hat. Über die Erinnerung können wieder Brücken geschlagen werden. Nehmt den Geschichtsfaden auf, holt die alten Geschichten ans Tageslicht und tragt sie vor. Und: Schreibt auf, schreibt neue Geschichten oder Tagebuch. Glaubt Dir ansonsten später kein Mensch.

28. Januar 2022

Anmerkungen:

(*1) „Great Moments with Keith Jarreth“ (feat. Dewey Redman, Charlie Haden, Paul Motian); Impulse, MCA Records, 1981

(*2) Der Elephant befand sich in der Veteranenstraße in Berlin-Mitte. Meiner Erinnerung nach, waren die Öffnungszeiten 20 bis 3 Uhr in der Nacht, in Ostberlin eine absolute Ausnahme, die meisten Kneipen schlossen um Zehn, andere um Mitternacht. Im Elephanten gab es kein Bier, nur Wein. Die Gaststätte hatte keine Klinke von außen und tatsächlich ein Guckloch, durch welches die Gäste begutachtet wurden. Mit Jeans kam man definitiv nicht hinein, brauchte man gar nicht erst versuchen. Und in der Kneipe sah man ein buntes Volk, welches einem normalerweise nicht so über den Weg lief, Künstler, Transvestiten, Leute, denen man ihre Knastgeschichten aus dem Gesicht ablesen konnte. An den Nebenraum kann ich mich auch gut erinnern, manchmal diente er als Hinterzimmer und ich bin mir ziemlich sicher, daß dort um hohe Geldbeträge gespielt wurde. Einmal kam ich mit einem Freund von einem öffentlichen Vortrag mit Jacob Holdt in der Humboldt-Universität, der dort seine „Amerikanischen Bilder“ gezeigt hatte. Im Anschluß suchten wir den „Elephanten“ auf und gerieten an einen Tisch mit dem Jazzpianisten Uli Gumpert, dessen Konzerte wir schon besucht hatten. Ihm und seinem Kompagnon erzählten wir begeistert vom Vortrag. Jedenfalls guckten uns die wahrscheinlich gut fünfzehn Jahre Älteren, somit Mitdreißiger Gumpert & Co an und sagten lapidar: „Naja, guckt Euch mal Bilder an“. Spontan haben wir uns am Kneipentisch noch gewehrt, aber losgelassen hat mich dieser Spruch nicht… 

Im Buch „Alte Filme“ von Klaus Schlesingers gibt es eine Kneipenszene. Bei der Kneipe (obwohl sich die Kellnerin im Buch gegen diese Bezeichnung verwahrt) handelt es sich meiner Meinung nach ganz sicher um den „Elephanten“. Vielleicht hieß die Einrichtung auch gar nicht so, sondern wir haben sie nur so genannt, aber ich glaube schon. In den achtziger Jahren habe ich die Schlesinger Passage immer wieder einmal vorgelesen, weil ich mich wie ein Teil des Buches fühlte, alles war genauso wie beschrieben, oder hätte genauso sein können.

(*3) Der Fährmann

Zugang

Eine Kolumne von Udo Muszynksi 

In den achtziger Jahren habe ich mit Freunden das mehrtägige Ruhlsdorfer Fest organisiert, eine Mischung aus Konzerten, Gesprächskreisen, Handwerkskursen, Spielen und Baumpflanzaktionen. Von 1983 bis 1986, 1987 schließlich verboten. 200 Leute aus der ganzen Republik, der DDR, waren dabei, alle persönlich eingeladen.

Zu einer der Ausgaben haben wir mit der Gestaltung des Zugangs zur Veranstaltung die Freunde provoziert. Der erste Abend war immer der Party vorbehalten. Im Land waren die langen Schlangen vor den Jugendklubs und Konzertstätten allgegenwärtig, ob man hineingelassen wurde, war häufig glücklichen Umständen oder einfach dem Zufall überlassen, in aller Regel waren Bedingungen zu erfüllen. An der Tür des Tanzsaals hieß es „Ohne Kirsche kommt ihr hier nicht rein“, für den Studentenclub brauchtest Du immer einen Ausweis oder eine Studentin, mal hattest Du die falschen Hosen an, mal zu lange Haare. Und dazu gab es das vom Einlaßpersonal ausgeübte Ritual des Wartenlassens, reine Willkür. Mit all dem konnte man beim familiären und hippiesken Ruhlsdorfer Fest natürlich nicht rechnen und dennoch stand die größer und größer werdende Menge der frisch angereisten Gäste nun vor verschlossener Partytür. Wurde von uns vertröstet und noch einmal vertröstet. Wie weit konnten wir den Geduldsfaden spannen? Ein gefährliches Spiel, die Besucher unmittelbar nach ihrer Ankunft mit der gerade entronnenen Alltagsrealität zu konfrontieren. Schließlich öffnete sich die Tür, aber nur einen Spalt. Die Gäste mußten einzeln durch einen Gang aus Polsterkissen kriechen, im Foyer angelangt stand eine Art Leibesvisite an, sonnenbebrillt wurde sich nach dem werten Befinden erkundigt. Nach dieser Tortur jedoch, wurde ein Jeder herzlich umarmt und persönlich unter Liebkosungen in den mit Teppichen ausgelegten Saal geleitet. Gedimmtes Licht, sphärische Musik, freie ebenerdige Platzwahl und dann endlich: genußvolles Warten. Die Prozedur dauerte insgesamt bestimmt eine Stunde. Im Anschluß legte die Band los und das Fest sah lange kein Ende.

Warum erzähle ich das jetzt, bald vierzig Jahre später? Damals wollten wir den Gästen mit der Aktion, die nicht alle verstanden und somit auch nicht alle guthießen, wohl vermitteln:  Hej, ihr seid hier nicht im Ferienlager. Wir feiern, na klar, aber wir diskutieren hier auch über das, was sich im Land ändern muß. Abtauchen schon, aber wach bleiben.

Seit nun fast zwei Jahren ist der Zugang zu Veranstaltungen reglementiert, wiederum ist er an Bedingungen geknüpft. Diesmal mußt Du immer frisch behandelt sein oder aber einen
Gesundheitsnachweis erbringen, diesmal hilft Dir keine Kirsche, keine Studentin und auch nicht der richtige Haarschnitt. Du mußt leider draußen bleiben, die (zugegeben langweilige) Party läuftohne Dich. Keine Nische. Totalitär.

Das randständige Ruhlsdorfer Fest der achtziger Jahre würde man aus heutiger Sicht sicher der Subkultur zuordnen. Heute jedoch bedeutet Subkultur: Wir stellen uns mitten auf den Platz und sind von allen zu sehen. Jeder kann herantreten und dabei sein.

9. Januar 2022

Foto: Archiv Udo Muszynski

Wieder hin!

Eine Vision, aufgeschrieben im November 2008, im Oktober 2021 wieder einmal hervorgeholt

Von Udo Muszynski

Als ich vor knapp fünfzehn Jahren, es muß so Ende 2008, Anfang 2009 gewesen sein, aus Eberswalde wegging, da dachte ich dann doch – ist vielleicht gut so, alles hat seine Zeit.

Nicht, daß es mir nicht gefiel, hatte diese Stadt doch eine wundervolle Umgebung und an den Sommerabenden war man ganz schnell mit dem Rad am Bachsee oder auch mit den schnellen Autos der Freunde am Werbellinsee. Auch konnte man damals erstmals wieder davon reden, daß die Stadt so etwas wie ein Zentrum hatte. Draußen, auf dem Marktplatz einen Kaffee trinken, daß hatte es Jahrzehnte nicht gegeben und so langsam ergriffen die Menschen wieder Besitz von ihrer Stadt, zeigten sich, trafen sich. Das neu erbaute Paul-Wunderlich-Haus hatte der Stadtmitte ein neues Gepräge gegeben, war eine durchaus gelungene Ergänzung der Herzog & de Meuron – Bauten am angrenzenden Stadtcampus, und präsentierte in einem Verwaltungsgebäude zeitgenössische Kunst.

Ich als ein Jazzfan, gewissermaßen von Geburt an, begeisterte mich an dieser sich immer wieder verjüngenden und somit aktuellen Musik und hatte ein Festival vor der Tür, wie es ein vergleichbares im Land Brandenburg nicht gab. Ein junges Filmfest fand seine Gestalt und seine Besucher und Besucherinnen. In der Nähe siedelte ein britisches Künstlerpaar und baute einen Wasserturm zur touristischen Attraktion. Künstlerrinnen mit Handschrift, wie Gerhard Wienckowski und Gudrun Sailer, lange etwas im Verborgenen arbeitend, wurden überregional sichtbar, anerkannt. Auch schaute ich hin- und wieder bei den Studenten und Studentinnen vorbei, wunderte mich jedoch, daß sie sie oft unter sich blieben, ein fast kasernenähnliches Leben führten und enorm viel Zeit auf der Bahn verbrachten.

Die Stadt selbst hatte Mitte der Neunziger Jahre das Kulturamt abgeschafft, alles Kulturelle ward endgültig in die Nische gedrängt. Im Vorbeigehen hängt man der Kunst und Kultur auch noch schnell das Elitäre an. Nichts Essentielles, nichts was zur Grundausstattung des Lebens gehört. Gerne als Bonus, nach getaner Arbeit, ein Zusatz, etwas was man aber auch ohne Probleme lassen kann.

Nun, kurz bevor ich mich aufmachte, wurde ein Kulturamt neu gegründet. Ob es mehr als eine symbolische Handlung des neuen (durchaus sehr kulturaffinen) Bürgermeisters war, noch nicht wirklich einzuschätzen. Zwar wurde zwischenzeitlich auch von den lokalen Verantwortungsträgern erkannt, daß es der künstlerischen Impulse bedarf, dass Kreativität ein Fortschrittshebel ist, dass kulturelle Veranstaltungen mit Außenwirkung der Stadt ein erheblich aufgebessertes Image verschaffen können – nur zu wirklichen Investitionen zeigte man sich noch nicht bereit. Kunst und Kultur, das geht ja auch mit Luft und Liebe. Viel wollen, wenig investieren, wäre die drastisch formulierte Zuspitzung. 

Nun gut, ich war dann mal weg.

Und jetzt, will ich unbedingt wieder hin.

Am letzten Sonnabend, und das Jahr 2021 neigt sich so langsam dem Ende, führte es mich wieder in die Stadt. Ich besuchte die 750. Veranstaltung von Guten-Morgen-Eberswalde, eine Reihe welche ich noch aus den Anfangstagen kannte. Zum Jubiläum machten es insbesondere Künstler aus den neuen „Quasi-Partnerstädten“ Göteborg und Barcelona zu einem schönen Straßenspektakel. In diesen Städten hatte sich das Veranstaltungsformat, hier hieß es jedoch Guten-Morgen-Göteborg bzw. Guten-Morgen-Barcelona, ebenfalls gut entwickelt.

Eberswalde ist jetzt kulturell über Deutschland hinaus gut vernetzt. Die Menschen sind auf Reisen, kommen allerdings gerne wieder. Es gibt viele Treffpunkte, Kulturcafes, Galerien, sogar ein Studiokino, mal privat, mal über einen Verein betrieben. Der Clou ist die Freie Schule für künstlerische Gestaltung. Denn die vielfältigen kulturellen Impulse inspirieren zur Selbsttätigkeit, zum Entdecken der eigenen Möglichkeiten. Die Touristinformation ist rund um die Uhr geöffnet, kein Wunder hat es doch jetzt ein angeschlossenes Hotel & Hostel. Ich muß mal rausbekommen, in welcher Trägerschaft das funktioniert. Auch weiß ich gar nicht, ob es das Kulturamt der Stadt immer noch gibt. Vielleicht ist es dieses mobile Servicebüro, wo ich mir vorhin das „Wunder“ geholt habe, was für ein Name für eine kulturelle Monatszeitschrift. Die gemeinsame Bibliothek von Stadt und Fachhochschule ist ein stark frequentierter Lesetreff aller Generationen. Hier gibt es ungezählte Tages- und Monatszeitschriften und einen guten Grundbestand. Alles Spezielle erhält man binnen Stunden über die Fernausleihe. Mit dem geplanten Neubau soll hier im übrigen demnächst auch das städtische Archiv angekoppelt werden.

Archiv, Geschichte, gar kein so schlechter Gedanke. Müssen wir doch wissen, wo wir herkommen, damit wir eine Ahnung davon bekommen, wohin wir gehen.

Der Text entstand für die „Zukunftswerkstatt“ verschiedener Eberswalder Kulturakteure am 1.12.2008 im Tanzsalon Zippel. In einer selbstorganisierten Kulturwerkstatt wurden in einem langen Prozeß die Voraussetzungen für eine Kulturentwicklungskonzeption für die Stadt Eberswalde geschaffen.

Guten-Morgen-Eberswalde No. LIII am 12. Juli 2008 (Ein Jahr Guten-Morgen-Eberswalde). Foto: Torsten Stapel

Löcher in den Hosen

– Ein kleiner (etwas) böser Text über eine Mode, die einfach nicht vergeht

von Udo Muszynski

Diese Mode hält sich jetzt doch bestimmt bald fünfzehn Jahre, oder? Sie sehen sie doch auch immer noch überall, nicht wahr? Junge, mitteljunge Menschen, also Mitdreißiger durchaus dabei, mit Löchern in den fabrikneuen Hosen.

Die Botschaft dahinter: Ich habe mich in den Wind gestellt, der Regen kam hinzu. Die Party war heiß und laut und die Nacht ganz kurz. Kein Auge habe ich zu gemacht, keinen Wecker gestellt. Ich bin da immer durch. Mein selbstgewählter Platz war der Bordstein, das Geländer, die herbeigezogene Kiste. Kein Kissen nirgends. Mit den Jungs den Ball geholt. Mal Straße, mal Schotterplatz und dann über das nasse Gras gerutscht. In der Werkstatt geschraubt, überall Schmiere, auch an der Hose, die dann über dem Beckenrand geschrubbt. Das Leben hart und schön, Rock’n’Roll halt. Immer geht was kaputt, immer wieder wird geflickt.

Tja, das wäre was und die Hose eine Trophäe!

Stattdessen hat der ein- oder andere von den vermeintlichen Kämpfen Gezeichnete noch nie ein Feuer selbst angemacht. Wenn es kalt ist, geht er einfach nicht raus. Sicher ist sicher und das Fahrrad wird nie ohne Helm benutzt. 

4. Oktober 2021

Foto: Josch der Frosch

Zäune

– Über kulturelle Scharniere zwischen öffentlichem und privatem Raum

Von Udo Muszynski

Ein Sinnbild der letzten ein, zwei Jahrzehnte sind für mich hierzulande die Zäune. Neue Zäune überall. In der Regel sind sie heute doppelt so hoch wie in den Zeiten meiner Kindheit, sie sind häufig von zweifelhafter Schönheit und zudem immer öfter ganz und gar undurchsichtig. Diese Entwicklung scheint mir längst nicht mehr nur auf Eigenheimquartiere beschränkt, auch in Neubauwohnungssiedlungen, die ja zumeist in einem relativ kurzen Zeitraum als Planstädte, also mit einer Gesamtidee gewachsen sind, entdecke ich heute umzäunte Bereiche. Das gehört der Wohnungsgesellschaft A und dies der Wohnungsgesellschaft B. Der Zaun als Eigentumsanzeige, als vermeintliches Schutzschild, als Signal der Abgrenzung. Hier ist Schluß, das gehört mir, das gehört uns.

Was habe ich mich in den letzten Jahren über allerorten unterbrochene Wege, über verklebte Einsichten geärgert. Aber irgendwie habe ich mittlerweile auch Verständnis für die Zaunbauer. Denn wenn der öffentliche Stadtraum nicht als Treffpunkt dient, dann schaffen die Leute sich halt ihr Reich hinter der Mauer. Und wenn es Vielen so geht und Viele so handeln, dann teilt sich der Raum konsequent in öffentlich und privat.

Mein Plädoyer gilt dem vergessenen Zwischenraum, dem allerdings notwendigem Scharnier zwischen diesen sich gegenüberstehenden Welten. Hier im Übergangsbereich, im Halböffentlichen, ist die Verantwortung geteilt, es ist noch ein bißchen privat, es ist noch nicht ganz öffentlich. Vielleicht ist diese vorgerückte kleine Grenze auch durch einen kniehohen Zaun markiert, damit hätte ich wohl kein Problem. Jedenfalls sieht man sich, kann sich auf Zuruf unterhalten und flugs ist auch eine Einladung ausgesprochen. Dann geht der Eine raus, oder der Andere kommt rein und schon haken sich zwei Welten zusammen.

Ps. Losungsvorschlag: Bildet Vorgärten!

24. September 2021

Zaungestaltung und Foto: Gudrun Sailer

Mit Passierschein in den Wald

– Über die Gefährdung der bürgerlichen Öffentlichkeit

In der aktuellen Kolumne von Kenneth Anders auf dem Blog des AUFLAND Verlages spielt auch das Kulturverständnis von „Guten-Morgen-Eberswalde“ eine Rolle.

Wir laden zu Begegnungen und setzen uns seit Jahrzehnten für offene Kulturformate ein. Bei uns muß niemand einen Ausweis vorzeigen und das wird auch so bleiben. Der Zugang ist bedingungslos, klar, hier und da kostet es Eintritt, aber mehr als die Eintrittskarte wird von uns nicht kontrolliert.

© 2022 Udo Muszynski Konzerte + Veranstaltungen

Website gefördert durch das Eberswalder Wachstums- und Konjunkturpaket vom 22.7.2020

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